s‘ STIANGHAUS

STIANGHAUS ODER STIAGNHAUS?

Das ist hier die große Frage. In unserem Festivalteam haben sich zwei Lager gebildet, die sich nun vehement über die Aussprache und die Schreibweise raufen. Doch eines ist ganz klar: Der bayerische Begriff für Treppenhaus stammt vom Stiegenhaus ab (Lautschrift laut Duden: [ˈʃtiːɡn̩ha͜us]).

Die einen sagen „Stiagn“, wodurch der Diphtong durch lange Dehnung betont wird (= zwei Vokale hintereinander); die anderen betonen „Stiang“, die Zunge an den Gaumen gepresst, was insgesamt wie eine einzige Silbe klingt. Die Hiesigen würden sagen [schdiànghaus].

Aber, wie schreibt man’s nun? In bayerischen Wörterbüchern finden wir nur „Stiagnhaus“. Etymologisch gesehen wäre das also wohl richtig. Interessanterweise hat bei einer kleinen Umfrage im Festivalteam aber ergeben, dass gerade die bayerisch-sprechenden Kollegen die etymologisch „falsche“ Schreibweise wählen würden. Weil ma’s einfach schreibt, wia ma‘s spricht. Unser Autor Reinhard Ammer, Lehrer für Deutsch als Fremdsprache und Vokalexperte, meint zur Schreibweise: „Ja, des is ghupft wia gsprungen. Wenn man sich mehr auf das Schriftbild bezieht, dann schreibt ma‘s STIAGN und wenn man sich eher auf den Klang bezieht, dann schreibt ma’s STIANG. Also: Mir is des Wurscht.“

Übrigens: Gerade derzeit erlebt die österreichische Band Seiler und Speer einen Riesenerfolg mit ihrem Scheidungssong „Ham kummst“ (Zitat „a schware Bartie…“.,,“der Hund, der gehort miar“…“die Kinder kriagst du a net“…“wenn du amal zu mir hoam kommst, da kommt die Bolizei, und es geht ‚tatütata, tatütata…“.) Die Burschen aus Bad Vöslau haben außerdem ein „Stiagnhausgstanzl“ gereimt. Das wäre dann 1:1 übersetzt: ein „Treppenhausreim“. (Für alle Nichtbayern: „Gstanzl“ bedeutet übrigens „Reim / Vers“ und ist so etwas wie ein epigrammartiger Spottgesang. Unverkennbar die Nähe zum Italienischen: la stanza = der Vers. Wer hätte gedacht, dass lateinische Sprach und bayerischer Dialekt so sprachverwandt sind …